Beitrag zum ökumenischen Schöpfungsgottesdienst vom 04.09.2016
„Zusammenhang von Bewegung (äußere und innere Beweglichkeit) und Gesundheit im Interesse einer guten leiblichen und seelischen Konstitution“

Mose und der Auszug aus Ägypten faszinieren mich als Arzt.

Als Arzt frage ich mich:
Von welchen Fleischtöpfen müssten wir heute aufbrechen?
Damit wir im Bund mit Gott unsere Freiheit erringen?
Damit wir irgendwie innerlich heil und ganz werden?

Und wo uns das nicht gelingt:
In welchen Abhängigkeiten stehen wir heute?
Welchen Schaden nehmen wir dann an unserer körperlich-seelischen Gesundheit?

Es ist so einfach!
Um beweglich zu bleiben, sagt die Weltgesundheitsorganisation, sollen wir täglich 10.000 Schritte gehen, also knapp 8 1/ 2 Kilometer oder dreimal 90 Minuten pro Woche Sport treiben.
Am besten so, dass wir dabei die Wege zurücklegen, die wir sowieso machen wollen.
Damit wir nicht die Lebenskraft von drei Erden verbrauchen So wie wir das zur Zeit tun.

Als Arzt frage ich mich:
Wozu sollen wir denn beweglich sein und aufbrechen?
Es muss doch einen Sinn machen, fit und beweglich zu sein.
Die Israeliten wollten Kanaan erreichen.
Welches Ziel, welche Richtung haben wir heute vor Augen?

Für mich bedeutet das:
Kann ich als Arzt Patienten oder gesundheitlich Gefährdete mit ihren Zielen in Kontakt bringen?
Kann ich sie dazu motivieren, mobilisieren, ihren Weg in unsere gemeinsame bessere Zukunft zu finden?

Der Chef meiner Fachgesellschaft antwortete darauf im letzten Herbst im vollen Hörsaal 7 der Uni Bielefeld:
Das schaffst du nicht im Kleinen. Die Verhältnisse müssen sich ändern.
In Kassel haben wir genau hingesehen:
Dort sind Kinder in armen Stadtbezirken bei der Einschulung zwölfmal häufiger übergewichtig als in den wohlhabenden.
Und was dick macht ist billig und 90 % der über 3 Mrd. € für Kinderwerbung macht sie scharf auf Zucker und Fett.
Du kommst nicht gegen an.

Meine Erwartungen als Arzt an unsere Gesellschaft werden damit auf eine harte Probe gestellt.
Ich wünschte mir den Stab des Mose, das Meer zu teilen oder die Straßen, damit Platz für Fußgänger, Kinder, Ältere und Radler entsteht, damit wir uns wieder mit Freude in Sicherheit bewegen können.

Weil ich darüber nicht verfüge, bleibt mir nur, wie Franziskus den großen Theologen Romano Guardini in seiner Enzyklika zu zitieren:
„Es wird einer Sammlung der Kräfte und einer Einheit der Leistung bedürfen“.

Dann könnten wir uns auf den Weg machen und auf Ihn vertrauen:
Ich bin der HERR, dein Arzt.

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