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Innere Einstellung zum Sport - Auzug aus einem Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther PDF Drucken E-Mail

(...) Aber das was einen Menschen, vor allen Dingen einen älteren Menschen gesund erhält, ist nicht der Sport... sondern - halten Sie sich fest - das ist die innere Einstellung zum Sport..

Wenn einer die innere Einstellung hat dass er das nicht möchte, da können sie hundert mal dem erzählen, wie gut Sport ist. Der pfeift auf Sie.

So also habe wir nicht immer den Leuten zu erzählen wie gut der Sport ist sondern wir haben Ihnen Gelegenheit zu geben, wir dürfen sie einladen, und wenn wir besonders gut sind, sie inspirieren, sich sportlich zu bestätigen, um einfach mal festzustellen dass ihnen es gut tut. Und wenn sie diese Erfahrung machen, dann könnte es sein, das sie auch mal alleine losreiten. Oder mit .. irgendwie im Wald umhermachen.

Es sind nicht diese Tätigkeiten, sondern es ist die Haltung, der Geist, der dahintersteckt, der einen Menschen dazu bringt, dass er sich so einbringt. Ich nenne diesen Übergang, in den wir uns im Augenblick befinden, das ist so wie der Übergang von den Insekten zu den Wirbeltieren....

Was sind die formenden Kräfte für Kindergehirne über alle Generationen hinweg gewesen? Und dann kommen sie auf ganz sonderbare Antworten Das ist Krieg Not Elend Überlebenskampf. Und natürlich Rituale, Vorschriften, Regeln, all diese von außen wirkende Korsett...

Und jetzt hat unsere Gesellschaft das Kunststück fertig gebracht, innerhalb von zwei drei Generationen nur den Maikäfern das Außenskelett abzuschälen: Keine richtigen Hunger mehr, keine richtigen Kriege mehr, keine richtigen Regeln mehr, keine richtigen Vorschriften mehr, alles ist auf einmal beliebig und jetzt erleben die Menschen etwas, das nennt man Entgrenzung. Und dann machen sie ´boundary management´. Das heißt, sie ahnen irgendwie, dass das Skelett weg ist, dass sie wegfließen und jetzt müssen irgendwie wieder Strukturen her und sie suchen die Strukturen natürlich immer außen, wo sonst?

Die Lehre, die wir daraus zu ziehen haben, heißt: Wenn man ein Außenskelett wegmacht, dann muss man dafür sorgen, dass ein Innenskelett gewachsen ist, das das Ding hält. Und dieses Innenskelett ist diese Haltung. Das ist diese Haltung, dass ich eine innere Begeisterung und ein inneres Bedürfnis habe, mich zu bewegen, und das umsetze und nicht auf dem Sofa bleibe, obwohl ich das auch machen könnte. Es ist diese Haltung dass man, obwohl ein Bäckerladen nach dem anderen draußen verlockend seine Brötchen- und Gebäckdüfte verbreitet, ... man daran vorbeigeht und es nicht isst. Es ist eine Haltung. (...)

Und diese inneren Haltungen muss man entwickeln. Aber jetzt sagen Sie mir mal wo wir als Gesellschaft eine Tradition entwickelt haben in der Entwicklung innerer Haltung? Haben wir ja gar nicht gebraucht bisher. (...) Und jetzt haben wir ein Problem. Wir wissen nicht, wie man Kindern den Geist mitgibt, den sie brauchen, damit sie sich bewegen, damit sie fleißig lernen, damit sie fleißige Weltentdecker werden. Und da versagt unser System kläglich, wenn es um die Frage Innenskelett geht.(..)

Dann gibt es nur eine Rettung. Man muss versuchen, wieder Kohärenz herzustellen.

Und da gibt es das wissen wir von Antonowski, salutogenetische Faktoren, die dazu führen, dass dieser sense of koherence wieder entsteht und Antonowski hat die ja auch sehr klar benannt und die kann man ach richtig sich überall hinschreiben:

Erstens: Die Menschen brauchen diese innere Überzeugung und diese ständige auch Erfahrung, dass das was um sie herum geschieht, im Großen und ganzen verstehbar ist... Also Verstehbarkeit ist eine ganz große Kokärenz erzeugende und damit salutogenetische Größe.

Das Zweite: Gestaltbarkeit. Man muss zumindest als Mensch ein kleines bisschen das Gefühl haben, dass man in seinem Lebensraum was gestalten kann, dass man nicht ohnmächtiges Opfer von Bewegungen ist, die da um eine herum ablaufen.

Und die dritte ebenfalls gleichermaßen wichtige Größe ist Sinnhaftigkeit, Bedeutsamkeit...

Wenn man Menschen sozusagen diese Möglichkeit raubt, diese Erfahrung zu machen, dass sie in einer Welt leben, die für sie verstehbar ist, gestaltbar ist, bedeutsam und sinnhaft ist, dann macht man sie krank. Und was dann passiert, ist eben statt Kohärenz und Gesundheit Demoralisierung und Destabilisierung und jetzt haben Sie den Grund dafür, weshalb in den westlichen Industriestaaten, nicht in der dritten Welt, in den westlichen Industriestaaten nach den WHO Prognosen der Anteil von solchen nennen wir es mal angstbedingten Destabilisierungskrankheiten in den nächsten 20 Jahren dramatisch zunehmen wird. Weil immer weniger Menschen dieses Kohärenzgefühl, diesen ´sense of coherence´ entwickeln können....

Auszug aus einem Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Neurobiologischen Forschungsabteilung der Universität Göttigen.
(Quelle: Gerald Hüther. Wie man sein Gehirn optimal nutzt, Hörbuch, 2 CDs,
www.auditorium-netzwerk.de)

 
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